Ich habe total vergessen zu erklären, warum ich mich Risikomanagerin nenne und warum ich diese bleiben möchte.
Im Grunde könnte das auch meine Jobbezeichnung sein, jeden Tag jongliere ich mit Risiken, wäge ab, werde um Rat gefragt und sichere mich und das ganze Team gegen mögliche „Gefahren” ab.
Aber auch im Privatleben versuche ich alle Eventualitäten abzuwägen, mich darauf vorzubereiten und damit zu planen. Man sagt mir nach, ich plane zuviel, ich denke zuviel nach und ich bin nicht spontan. Das mag stimmen, denn ich überlege viel zu oft, was alles passieren kann und auf was ich mich vorbereiten muss, wenn ich jetzt dies oder das tue.
Los geht es beim Einkaufsbummel, was zieht man an – man könnte ja Klamotten anprobieren wollen. Nimmt man einen Schirm mit – es könnte ja regnen. Hat man genug Geld, Durchfalltabletten oder leicht an- und auszuziehende Schuhe – man könnte ja neue Schuhe anprobieren wollen. Und so weiter.
Plant man eine lange Autofahrt wird für Essen und Trinken, Musik, Hörbücher oder für einen Plan B im Falle eines Staus gesorgt. Das Problem, wo man die volle Blase im Stau entleeren kann, ohne zwischen zwei Autotüren hockend mit rotem Kopf zu enden habe ich noch nicht gelöst *seufz*.
So bin ich also – organisiert, auf (fast) alles vorbereitet, mitdenkend, planend. Wenn ein Risiko dann doch eintritt, packe ich meinen Plan B (oder C oder D) aus und schwupps hat man die Situation wieder im Griff. Im Job, wie auch im Privaten.
Bis zu dem Urlaub in Italien. Meine Freundin S. ist in Sachen Risikomanagement genauso gestrickt wie ich. Wir kümmern uns und überlassen nichts dem Zufall. Warum wir an dem besagten Morgen dann doch ohne wirklichen Plan aus dem Haus sind wissen wir heute nicht mehr. Aber wir waren im Urlaub, hatten Lust was Verrücktes zu machen und wollten einfach nur leben, ohne groß nachzudenken. Also packten wir unsere Strandsachen, nahmen wenig Geld und nur ein Handy mit und zogen los. Am Strand könnte ja was geklaut werden (ah, da war wieder die Risikomanagerin) und deshalb hatten wir nur 40 Euro dabei und keinen „großen” Geldbeutel. Naja es kam wie es kommen musste, auf halbem Weg fing das Auto an zu stottern und machte Zicken, wir kamen aber am Strand an. Weil wir ja Managerinnen sind, legten wir uns nicht an den Strand, sondern suchten uns erst Hilfe – an einem Samstagmorgen war vielleicht im Notfall noch eine Autowerkstatt offen J. Die Hilfe in Form von einem älteren Italiener konnte nichts am Auto finden, es fuhr auch bei der erneuten Fahrt ganz normal, deshalb begaben wir uns an den Strand. 22 Euro für die Sonnenliegen und den Schirm leichter, genossen wir den Tag. Gegen Abend, es muss so sechs Uhr gewesen sein, machten wir uns auf den Heimweg.
Leider nicht lange, denn dann begann das Auto wieder zu stottern. Wir hielten immer wieder an, um das Auto abkühlen zu lassen – bei 35 Grad Hitze keine wirkliche Hilfe – aber es half nichts. Als dann Rauch aus der Lüftung aufstieg hielten wir mitten auf einer Straße an. Wo war die Nummer vom ADAC? Die hatten wir doch immer dabei, ach halt, der Geldbeutel lag ja zuhause. Das Handy, rufen wir halt jemanden an – oh, der Akku ist fast leer, nur noch ein Balken.
Es hält keiner an, so viele Autos fahren vorbei, aber kein fragt was bei uns los ist. So fahren wir paar Meter weiter ums Eck und ich rufe jemanden an, um mir die ADAC Nummer sagen zu lassen. Danach fahren wir noch mal wenige Meter, um das Auto bei eine Waschstraße abzustellen, dort sind auch einige Männer, die uns evtl. helfen können. Aber weit gefehlt. Italienische Männer schauen nicht in Autos von fremden deutschen Frauen. Sie kassieren lieber 10 Euro, damit das Auto über Nacht dort auf dem Areal abgestellt werden kann.
Wir sollen doch mit dem Zug heimfahren – oh gute Idee, aber mit welchem Geld.
Kurz überschlagen
40 Euro
- 22 Euro
- 10 Euro
macht 8 Euro für eine Zugfahrt für zwei Personen !
Das geht nicht. Nach langem Hin und Her schenkt uns ein Mann 10 Euro, damit wir heimkommen, das Geld für das Abstellen des Autos wollen wir am nächsten Tag nachreichen. Also packen wir das Nötigste (wir haben ja eh nix dabei
) und laufen zum Bahnhof – immer noch bei 35 Grad Hitze und mit Badeanzug unter den Klamotten.
Der Zug fährt zum Glück zehn Minuten später und wir sind geschafft auf dem Heimweg. Dann hält der Zug – Umsteigen? Ah Umsteigen !
Auf dem Bahnsteig warten wir, da kommt die italienische Polizei. Was wollen die denn jetzt. Ich sage zu S. „das darf nicht wahr sein, wir haben doch keine Ausweise mit” – noch mal zur Erinnerung, wir sind ja ohne „großen” Geldbeutel unterwegs. Wir sehen wie die Polizei Leute am Bahnsteig kontrolliert und gehen wegwärts. Das darf doch alles nicht wahr sein, wenn man einmal nicht plant und nichts dabei hat.
Zum Glück kommt der Zug, wir fahren die restliche Strecke und laufen dann noch die restlichen Meter bis zur Wohnung. Total geschafft bin ich der Meinung, dass ich so was nie mehr mache – spontan an den Strand fahren !
Da bin ich lieber weiter eine Risikomanagerin. Ich glaube meine Freundin S. auch !
Ich musste gerade so grinsen, herrliche Geschichte. Obwohl euch da sicher nicht zum lachen war, aber heute lacht ihr drüber, oder?
Ich glaub, die Kombi zw. alles durchplanen, aber auch etwas Laissez-faire, wäre nicht schlecht. Aber wer bekommt das schon hin?
PS: Man kann übrigens bei dir nur als WP Blogger kommentieren. Ist das so gewollt?
Du hast Recht, jetzt können wir drüber lachen. In der Situation war ich doch am Rande der Verzweiflung – es war einfach viel zu heiß und ich spreche kein Italienisch
Hab jetzt nochmal an den Einstellungen gebastelt, jetzt müsste es auch ohne WP Account gehen !